Die beglückende Verbindung von Sprache, Musik und
Haltung. Ein eindrucksvoll orchestrierter Dialog zwischen
Literatur und Klang, Ernst und Heiterkeit, Zeitkritik und
zeitloser Kunst, politischer Schönheit.
Erich Kästner ist den meisten als Verfasser liebenswerter
Kinderbücher in Erinnerung geblieben. Doch seine
Bücher waren die ersten, die auf den Scheiterhaufen der
Nationalsozialisten demonstrativ auf den Straßen des
aufblühenden Nazi-Deutschland in Flammen aufgingen.
Martin Hannemann, selbst erfahrener Musiker und
wortgewandter Erzähler, wagt den Blick auf den ,anderen
Kästner“, auf den politisch wachen, den sarkastischen,
den illusionslosen Chronisten der Zwischenkriegszeit.
Natürlich ist es dabei auch lustig und durchaus amüsant,
denn Kästner bleibt immer Humanist, die Liebe zum
Menschen trotzt aller Verzweiflung.
Hannemann liest nicht einfach – er interpretiert, dehnt
und akzentuiert, lässt Pausen wirken, baut Brücken zu
unserer Gegenwart. Die musikalische Konzeption macht
es zu einem besonderen Ereignis mit dem Jazztrio um
Schlagzeuger Lothar Wantia, Niclas Floer am Klavier und
Joffrey Bondzio am Kontrabass. Das Trio bildete weit
mehr als bloße akustische Kulisse. Vielmehr treten die
Musiker in einen Dialog mit den Texten ein, suchen nach
Klangfarben, die Atmosphären spiegeln, Kommentare
abgeben oder emotionale Räume erweitern. Für jede
Textpassage findet sich ein passender Tonfall. Die Musik
schafft nicht nur Atmosphäre, sondern öffnet Inter-
pretationsräume, lässt Kästners Worte in einem anderen,
auch zeitgemäßen Licht erscheinen, manchmal auch mit
anderer Schärfe.